Im Sommer 1657 ließ Guericke den ersten Versuch mit größeren Magdeburger Halbkugeln(etwa 35 cm Durchmesser) und 12 Pferden durchführen. Er wurde auf dem Hof seinesWohnhauses in der Großen Münzstraße Nr. 6 mit zum Teil eigenen Pferden ausgeführt. So wollte Guericke die enorme Kraft des Luftdruckes den im neuen Wissen Unbewanderten demonstrieren, denn selbst 12 Pferde – das Pferd war damals die größte zur Verfügung stehende Zugkraft – waren nicht in der Lage, die evakuierten Halbkugeln zu trennen.
Die notwendige Zugkraft betrug etwa 1000 kp. Er zeigte aber auch die Endlichkeit des Luftdruckes, wenn die Pferde unter ungünstigen Bedingungen die Halbkugeln auseinanderrissen. Guericke schlußfolgerte, daß die Furcht vor dem Leeren (horror vacui) gewaltig, aber endlich ist, denn ein kleiner Junge öffnete den Hahn des Ventils an den Halbkugeln, ließ Luft hineinströmen und die Kugelhälften fielen wie von selbst auseinander.
Otto von Guericke
(20. 11. 1602 - 11. 5. 1686)
Otto von Guericke wurde am 20.November 1602 als Kind von Anna von Zweydorff aus Braunschweig und Hans Gericke geboren. Die Ahnenlinie Otto von Guerickes läßt sich in Magdeburg bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen.
Die Alte Stadt Magdeburg war zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges eine blühende freie Reichs- und Handelsstadt, in der Handel und Handwerk für gute Einnahmen sorgten. Mit mehr als 30.000 Einwohnern gehörte Magdeburg zu den fünf größten deutschen Städten.
1631 belagerten die kaiserlichen Truppen wiederum Magdeburg. Guericke wurde zum Schutzherren. Der Rat übertrug ihm die Verantwortung für Vorrat und Befestigung. Am 10. Mai drangen die Kaiserlichen unter Pappenheim am Neuen Werk (Fischerufer) in die Stadt ein und öffneten das Tor zur Hohen Pforte von innen. Eine furchtbare Plünderung, Brandschatzung und Verwüstung der Stadt begann. Auch der Schutzherr Otto von Gericke und seine Familie gerieten in Gefangenschaft. Er konnte sich und seine Familie freikaufen und ging nach Braunschweig.